E.I.S.
improvisation

Corinna Eikmeier

Hannover

Cello

Wie bin ich zum Improvisieren gekommen?

 Ich habe als Kind immer zwischendurch frei gespielt. Allerdings habe ich dies nicht ernst genommen, sondern eher als Entspannung betrachtet. Es geschah auf dem Cello, aber vor allem auch auf dem Klavier. Ich habe mit beiden Instrumenten im Alter von sieben Jahren begonnen. Eine Entscheidung, dass Cello mein Hauptfach für das Studium werden sollte traf ich erst kurz vor Beginn des Studiums. Während des Studiums habe ich von diesen Experimenten mehr und mehr abgesehen. Die Musik bekam in dieser Zeit etwas sehr Ernstes und ein wenig Anstrengendes. Ich ging auf die Suche nach Möglichkeiten, wie ich die Grenzen meiner Möglichkeiten und die so entstandene Anstrengung verändern konnte. Zunächst gelang mir ein Zugang, zu dieser Frage, über die Bewegungen. Ich probierte verschiedene Methoden aus, schrieb meine Diplomarbeit über die Feldenkrais-Methode und entschied mich zu einer Ausbildung zur Feldenkrais-Lehrerin. Allerdings war es immer noch nicht so einfach für mich, die Erkenntnisse aus der Feldenkrais-Methode wirklich auf das Spielen zu übertragen. Die angelernten Muster waren stärker als die Erkenntnisse. Durch Zufall begann ich wieder zu improvisieren. Ich kam zu einem Konzert, wo ich ein ganz kleines Stück spielen sollte. Es hieß, dass Leute erkrankt wären und ich möge bitte mit noch einem Kollegen die Lage retten und 45 Minuten improvisieren. Hätte ich die Möglichkeit gehabt, hätte ich behauptet, dass ich das nicht gekonnt hätte. Ich wollte aber keine Spielverderberin sein und so ließ ich mich mit mulmigem Gefühl lauf die Situation ein. Das Ergebnis war verblüffend. Technische Probleme wren verschwunden und der Klang ähnlich, wie ich ihn mir immer gewünscht hatte. Ich wollte nun diesem Phänomen weiter nachgehen. Mehr und mehr bemerkte ich, dass die Improvisation genau das für mich hergab, was ich eigentlich schon während meines Studiums in der Feldenkrais-Methode gesucht hatte. Allerdings konnte ich nun auf die Erkenntnisse der Feldenkrais-Methode zurückgreifen und hatte schnell eine große Faszination und Freude. Es fasziniert mich, dass man bei einer Improvisation in jedem Moment in jede Richtung denken kann, dass man seine Aufmerksamkeit ausweiten kann, dass die Situation mit Ort, Publikum, Mitspielern einbezogen werden und dass die Lebendigkeit des Augenblickes der Gegenwart in das Spiel einfließt. Hinzu kommt auch noch, dass ich auf Grund einer hochgradigen Sehbehinderung nie in meinem Leben vom Blatt spielen konnte. Jede Aktivität in Orchestern und Kammermusikformationen bedeutete für mich einen großen Arbeitsaufwand. In der Improvisation konnte ich nun zum ersten mal die Erfahrung machen, dass ich ohne aufwendiges Auswendiglernen unter Zeitdruck, einfach im Fluss spielen konnte. Möglicherweise ist dies eine Qualität, die ich beim Musizieren immer vermisst habe und jetzt um so intensiver genießen kann.

 

Wie hat das E.I.S. mich geprägt?

 Ich habe meine ersten Erfahrungen durch ein Improvisationsstudium an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig erweitert (Abschluss Konzertexamen). Nach dieser Zeit bin ich auf die Suche nach festen Ensembles gegangen. Meine erste Begegnung mit dem E.I.S. im Dezember 2003 war ein beeindruckendes Erlebnis. Dieses Orchester war ein in sich geschlossenes System mit einer immensen Improvisationserfahrung. Das System war aber auch sehr klar und ich bemerkte, dass ich schnell und leicht integriert werden konnte, obwohl ich erst wenige Jahre mit Improvisation zu tun hatte. (Wie wenn meine Feldenkrais-Erfahrung mir hier zu gute kam.) Diese letzten sechs Jahre sind die Phasen, die ich mit dem EIS zugebracht habe, immer wieder zu einer Live-Erfahrung von Improvisation geworden. Ich konnte von der Erfahrung des Ensembles profitieren, konnte Ideen, die hier über Jahre gereift waren in meine Ideen über Improvisation integrieren und ich fühlte mich aufgenommen in ein so gewachsenes Ensemble.

 

Corinna Eikmeier, Hannover 2009



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Erstes Improvisierendes Streichorchester