E.I.S.
improvisation

Katya Schröder

Karlsruhe

Geige

Wie bin ich zum Improvisieren gekommen?
Welche Bedeutung hat(te) das EIS in meiner Biografie?

 Da ich schon immer gesungen habe, fast im Gesang geboren, entwickelte sich recht schnell ein freier Gesang. D.h. ein immerwährendes Geträller meist im Terzbereich, das sich in vorhandenes Liedmaterial einbaute. Jenseits aller Chöre kamen im Teeniealter Parties dazu, mit den üblichen Lagerfeuermusiken. Trotz meines Geigespiels ab dem 6.Lebensjahr benutzte ich vorwiegend die Stimme und die begann mit unbekannten Liedern zu korrespondieren. Aus Versehen und da ich ja Geigerin war, übertrug ich während so einer Session plötzlich alles aufs Instrument, erst recht ungelenk, dann immer klarer. So wurde meine Improvisation auf einem Instrument geboren.

Sie setzte sich direkt fort in autodidaktischem Erlernen diverser Instrumente, die meine Brüder von sich wiesen und somit in mein Forschungsfeld übergingen. Dort ging ich also schon freier mit den Tönen um und die ersten Bands ab 15. Lebensjahr forderten notenfreies Spiel.

Mit 18 Jahren landete ich in der Wilden Rose, dem eigentlichen Geburtsort des E.I.S. bei einem Seminar zu Zigeunermusik und Improvisation. Alle schon vorhandenen Töne beschleunigten sich und durften sich noch mehr Raum nehmen.

Die Idee eines freien Orchesters, in dem jede/r seine ureigenen Rhythmen und Herzensmelodien für gemeinsames Wachstum einbringen kann, wurde geboren.

Die Grundidee „Improvisation“ begleitet mein Leben von Anbeginn. So konnte ich beobachten, wie Leben Bewegung und Veränderung brachte und genau dies mir Sicherheit gab, jenseits fester Strukturen. Diese allerdings ergeben sich, wenn alle in der Freiheit der Improvisation miteinander schwingen.

Das Werkzeug dazu habe ich in meiner Familie geschenkt bekommen, die Sinne sind immer gut geschult worden, aus wenig haben wir viel entwickelt, aus zu viel konnte Reduktion entstehen und Ruhe, Erdung, Struktur, Konzepte. All dies möchte auch wieder durchbrochen werden vom Künstler, der Lebendigkeit aber auch Stille einfordert und so waren Grenzgänge und Grenzüberschreitungen vorprogrammiert.

Dadurch sind viele Welten in meinem Repertoire integriert worden und werden es immer noch. Kommunikationsprozesse, die ich in meinen therapeutischen, heilenden und pädagogischen Berufen benötige, verfeinern sich über das Öffnen der Sinne.

Da ich synästhetisch betonter Mensch bin, z.B. sp. musikalische Kontexte als Bilder und Farben erlebe, sehe und fühle, habe ich assoziativ bedingt einige Möglichkeiten das Erfahrene, in diesem Fall die Improvisation in alle meine Lebensinhalte fördernd zu übertragen, meinen Weg in allen Höhen, Tiefen und Ebenen damit zu vervollkommnen.

Mittlerweile sind mir feste Arbeitskonzepte in der Musiktherapie z.B. zwar wichtig, und da ließ sich einiges aus unseren Konzertkonzepten all der Jahre übertragen und umgekehrt. Das Handwerkszeug der Improvisation stützt und begleitet mich absolut, weist mir meinen Weg durch Einschwingungs-und Klärungsprozesse mit Klientel und Lebenssituationen.

Meine Sinne haben sich stetig verfeinert. Unsere Forschungsarbeit im E.I.S. ist hochspirituell, auch wenn nicht jeder aus der Gruppe das so bezeichnen mag, was wir musikalisch und mitmenschlich daraus folgend tun. Und ich finde es bemerkenswert, welchen Mut all die aufbringen, die erleben wollen, wie die Entwicklung unserer Musik, unserer Seelen, unserer Selbste sich immer weiter verändert und wir uns immer stärker für uns im Innern und die Welt im Außen öffnen und damit Hingabe praktizieren können und wollen.

Ich danke allen, die in sich mit ihrem Feuer, ihrer Luftigkeit, ihren Emotionen und der gebenden Erdung ins E.I.S. und auf jedes Mitglied eingelassen haben und es weiter tun werden.

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Katya Maria Schröder, Karlsruhe im Mai 2009



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